Therapeutsiche Frühförderung

Die Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle Marburg-Biedenkopf (IFF MR-BID) bietet ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Behandlungen an. Die therapeutischen Mitarbeiter(innen) der IFF MR-BID bieten Therapien in den Räumen des „Kinderzentrum Weißer Steins“ in Marburg an. Die Behandlungen  können in Absprache auch zu Hause (Hausbesuch) oder in den anderen Kindertageseinrichtungen des „Kinderzentrums Weißer Steins“ im Landkreis durchgeführt werden. 

Die IFF MR-BID verfügt über eine Zulassung für die medizinisch-therapeutische Versorgung nach § 124 SGB V. 

Unter welchen Voraussetzungen werden die Therapeuten tätig?
Eine ergotherapeutische, logopädische und/oder physiotherapeutische Behandlung kann nur dann erfolgen, wenn eine Verordnung (Rezept) vom Arzt vorliegt und Sie Ihr Kind bei dem/der jeweiligen Therapeuten(in) angemeldet haben. 

Aufgaben der Therapeuten(innen)
Die Therapeuten(innen) erstellen eine diagnostische Einschätzung für das Kind und entwickeln einen individuellen Förder- und Behandlungsplan mit den jeweiligen Behandlungszielen und –schritten. Die Therapie beinhaltet die Behandlung, Elternberatung und Elternanleitung sowie Beratung der Kindertagesstätte. Der interdisziplinäre Austausch der beteiligten Berufsgruppen ist ein weiteres Qualitätsmerkmal unserer Arbeit.  

Ergotherapie

Ergotherapeutische Aufgaben bestehen darin, unter besonderer Berücksichtigung der körperlichen, sensomotorischen und sensorisch-perzeptiven, der emotionalen und kognitiven Fähigkeiten, die Handlungsfähigkeit des Kindes im Alltag zu fördern. 
Die Therapie beinhaltet, orientiert an den Handlungsmöglichkeiten des Kindes, seiner Stärken, Fähigkeiten und seiner Eigeninitiative, gezielte Spiel- und Bewegungsangebote, handwerkliche und gestalterische sowie lebenspraktische Aktivitäten. 

Einen wichtigen Platz in der ergotherapeutischen Frühförderung nimmt die Elternanleitung und –beratung ein. Die Therapie und ihre Methoden muss in das tägliche Leben integriert werden, um eine größtmögliche Handlungsfähigkeit des Kindes zu erreichen.
Beobachtungen  die zu einer Verordnung von Ergotherapie führen können:
Das Kind ist in seiner körperlichen, sensorisch-perzeptiven, kognitiven oder psychischen Entwicklung verzögert 
Das Kind zeigt Ausfälle oder Störungen in der Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit 
Das Kind hat eine mangelnde Verarbeitung von Sinnesreizen (Störung der Körperwahrnehmung, Probleme beim Erfassen von Beziehungen etc) 
Das Kind reagiert auf seine Mitmenschen und seine Umwelt mit übermäßiger Angst, Aggression, Abwehr oder Passivität 

Folgende therapeutische Verfahren und Methoden kommen zur Anwendung:

  • Sensorische Integrationstherapie (SI)
  • Geführte Interaktionstherapie („Affolter Methode“)
  • Psychomotorik
  • Konzentrationstraining nach Krowatschek
  • Klientzentrierter Ansatz  

Was Sie sonst noch über die Verfahren wissen sollten:
Sensorische Integrationsmethode (SI)
Diese Methode bedeutet die Vernetzung und Koordination aller Sinneseindrücke zu einer Gesamtwahrnehmung als Grundlage von Handeln und Lernen. Im Mittelpunkt stehen die gefühlte und erlebte Wahrnehmung, sowie die gesamte Wahrnehmungsempfindung aus den verschiedenen Sinnessystemen des Kindes. Diese Wahrnehmungsempfindung in einer für das Kind als bedeutsam erlebte (Spiel)situation soll es in die Lage versetzt werden, seine motorischen und emotionalen Handlungen besser  an die Umwelt anzupassen. 

Affolter Methode 
Diese Therapiemethode kommt bei körper- und / oder mehrfachbehinderten und wahrnehmungsgestörten Kindern zu Anwendung. Die „geführte Interaktionstherapie“ ermöglicht im Alltag eine angemessene, gespürte Interaktion mit der Umwelt (z.B. beim Essen).Lernen geschieht laut Frau Felicie Affolter in der Interaktion mit der Umwelt. Wahrnehmungsgestörte Kinder sind beeinträchtigt in dieser Interaktion und somit auch in der Informationsgewinnung.
Die Affolter-Methode verhilft wahrnehmungsgestörten Kindern zu qualitativ angemessener Spürinformation, um Alltagsprobleme besser lösen zu können. Es werden Fortschritte in der gesamten Entwicklung möglich. 
Bei diesem Verfahren „begreifen“ die Kinder Objekte und Situationen im wahrsten Sinne des Wortes. Unvollständige oder nicht stattgefundene Wahrnehmungs-prozesse werden wiederholt.  

Logopädie

Kinder die eine logopädische Behandlung benötigen, haben Entwicklungsverzögerungen, Entwicklungsrückstände, Entwicklungsbehinderungen oder Behinderungen unterschiedlicher Ursache in folgenden Bereichen:

  • Nahrungsaufnahme 
  • Atmung, Stimmgebung
  • Sprachverständnis und Sprachverarbeitung 
  • Kommunikationsverhalten 
  • Syntax und Semantik 
  • Aussprache 
  • Redefluss
  • Wahrnehmung 

Die logopädischen Aufgaben bestehen darin, die oben stehenden Bereiche  zu Beeinflussen, zu Unterstützung (Hilfsmittel, Unterstützte Kommunikation) und zu Fördern, so dass die Kommunikationsbarrieren in der Lebenswelt des Kindes abgebaut werden.

Einen wichtigen Platz in der logopädischen Behandlung nimmt die Elternanleitung und –beratung ein. Die Therapie sollte in das tägliche Leben integriert werden, um  die Kommunikationsmöglichkeiten des Kindes zu erweitern. 

Folgende therapeutische Verfahren und Methoden kommen zur Anwendung: 

  • Orofaciale Regulationstherapie nach Castillo Moralis
  • Mund und Esstherapie nach Morris & Klein 
  • Taktil-kinästhetische Wahrnehmungstherapie nach Affolter 
  • Neurologische Reorganisation nach Padovan
  • Unterstützte Kommunikation 


Was Sie sonst noch über die Verfahren wissen sollten:
Orofaciale Regulationstherapie nach Castillo Moralis 
Es werden verschiedene Techniken und Griffe eingesetzt, um die Muskulatur auf den Ess- und/oder Saugvorgang vorzubereiten. Sie findet Anwendung bei Eß-, Schluckstörungen sowie motorischen Einschränkungen im Mund- und Gesichtsbereich. Es soll eine Verbesserung der Sensibilität sowie der Planung und Ausführung der Bewegung im Mundbereich erreicht werden. 

Neurologische Reorganisation nach Padovan
 Hier wird versucht, unvollständige, fehlende oder verspätet stattgefundene Entwicklungsschritte in geordnete Bahnen zu lenken. Diese neu entwickelten Fähigkeiten bilden den Grundstein oder einen Baustein für die weitere Entwicklung des Kindes. Die neurofunktionelle Reorganisation beruht auf der Wiederholung der natürlichen Entwicklungsphasen des Menschen. Durch wiederholen Frühkindlicher Entwicklungsmuster werden im zentralen Nervensystem noch nicht ausgebildete Strukturen wachgerufen. Dies führt wiederum zu einer Verbesserung der Organisation des Sprachzentrums. Alle Übungen werden u.a. mit Liedern und Reimen begleitet und fördern daher Rhythmus, sprachliche Gliederungsfähigkeit und Konzentration.  Unterstütze Kommunikation Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn eine lautsprachliche Kommunikation nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Die Hilfen werden ganz speziell auf das einzelne Kind abgestimmt. Es kommen sprachbegleitende Gebärden, Fotos, Symbole oder elektronische Hilfen zum Einsatz.  

Physiotherapie

In der Physiotherapie liegen die Schwerpunkte in der Optimierung und Differenzierung der Bewegungsentwicklung, -erfahrung und des Bewegungsverhaltens des Kindes. Ziel dieser Bemühungen ist es, die Bewegungsmöglichkeiten des Kindes im Alltag zu erleichtern und zu nutzen. 

Einen wichtigen Platz in der physiotherapeutischen Behandlung nimmt die Elternanleitung und –beratung ein. Die Therapie sollte in das tägliche Leben integriert werden, um eine größtmögliche Bewegungsentwicklung und –sicherheit des Kindes zu erreichen. Dabei wird die Einheit von Bewegung, Wahrnehmung und sozialen Beziehungen mit einbezogen. Die Behandlung lehnt sich an die jeweiligen Entwicklungsstufen eines normal entwickelten Kindes an. 

Ein weiterer Schwerpunkt der physiotherapeutischen Arbeit ist die Hilfsmittelversorgung und Beratung. Dabei geht es um die Korrektur von Fehlstehllungen und Vermeidung von Fehlhaltungen. Hilfsmittel haben eine überaus große Bedeutung in der Bewältigung des Alltags für das Kind und sein Umfeld. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass die Unterstützung und Hilfe, die Hilfsmittel bieten, nach dem Motto: „soviel wie nötig, so wenig wie möglich“ ausgewählt werden. Eine Hilfsmittelberatung erfolgt in der Regel zu Hause oder im Kindergarten, nach Absprache mit der(m) jeweiligen Kinderärztin / -arzt. 

Folgende therapeutische Verfahren und Methoden kommen zur Anwendung:

  • Bobath-Therapie
  • Psychomotorik 
  • Mund- und Esstherapie nach Castillio Morales

 
Was Sie noch über die Verfahren wissen sollten
Bobath-Konzept 
Das von Dr. Karel Bobath, Neurologe und Psychiater und Frau Dr. Berta Bobath, Physiotherapeutin in London entwickelte Konzept der Bobath-Therapie wurde ständig weiterentwickelt und findet Anwendung in der Therapie von Säuglingen und Kindern mit Bewegungsstörungen sowie sensomotorischen Auffälligkeiten und anderen neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen – einschließlich kognitiver Beeinträchtigungen.
Neben der „reinen“ Behandlung sprielt das sogenannte „Handling“ im Bobathkonzept eine wichtige Rolle. Tägliche Verrichtungen (Nahrungsaufnahme, Tragen, Körperpflege, An- und Ausziehen usw.) werden so ausgeführt, dass gestörte Bewegungen möglichst häufig gehemmt, normale und funktionell brauchbare aber möglichst häufig angeregt werden. Die Übungen sollen den Vorlieben der Kinder entsprechen und in seinen Alltag übertragbar sein. 

Ziel dieser Behandlung ist es, möglichst frühzeitig Störungen der normalen Entwicklung, durch bestimmte motorische Bewegungsabläufen und –handlungen, entgegenzuwirken und dem Kind die Möglichkeit zu geben sich „normal“ zu bewegen und zu entwickeln.

Therapeuten

Ergotherapie
Annette Dölger-Derman
Tel.: 06421-881310

Logopädie
Ulla Wraneschitz
Tel.: 06421-881330
Claudia Brügge
Tel.: 06421-881329
Ulrike Mbutcho
Tel.: 06468-539


Physiotherapie
Waltraud Pleik
Tel.: 06421-881314
Gerlinde Sältzer
Tel.: 0162-7194184

 

 

 

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